Berufsgeschichten-Schmökerpause

Entschuldigung! Diesen Sommer ist der Wurm drin und ich komme nicht zum Schreiben. Eine eigene Jobgeschichte ist der Grund dafür: nach einer extrem zeitraubenden Bewerbungsphase und einem zum Ausgleich extrem freizeitintensiven Urlaub wechsle ich nun den Job und obendrein die Stadt.

Daher bin ich nun wild am Kisten packen, anstatt weitere Blogartikel oder auch Kapitel zu Mellis Buch zu verfassen, was ich natürlich viel lieber täte. Im Herbst melde ich mich jedoch zurück. Versprochen!

Einstweilen empfehle ich zur alternativen Lektüre:

  1. Für alle, die noch einen Beruf suchen

    Berufsgeschichten-150x150 in Berufsgeschichten-SchmökerpauseBerufsgeschichten. Eine Sammlung unterschiedlichster Berufsportraits von Nick Melekian. Auszüge daraus postet der Autor auf seiner gleichnamigen Homepage Berufsgeschichten.

    Das Besondere dabei: Hier berichten “echte Menschen” in Interviews über ihren Werdegang, ihren Berufsalltag, was an ihrem Job toll ist und was ihnen weniger gefällt. Wer schon immer mal wissen wollte, was eine Mediatorin ist, womit sich ein Detektiv wirklich beschäftigt oder worauf es ankommt, wenn man eine Kneipe führt, kann hier aus dem Vollen schöpfen. Dabei kommt ein buntes Sammelsurium unterschiedlichster Berufe zusammen: vom Dönerladen-Besitzer bis zum Wagenschieber im Supermarkt. Auch AkademikerInnen finden sich unter den Interviewten, wie beispielsweise ein Area Sales Manager, ein IT-Berater, eine Bibliothekarin, ein Rechtsanwalt und eine gestresste Praktikantin.

    Sehr hilfreich an diesem außergewöhnlichen Projekt ist die individuelle Erzählweise der einzelnen Personen. Sie lassen ihren beruflichen Alltag dadurch lebendig werden. Außerdem geben sie Auskunft über ihren Lebensweg. Und als LeserIn merkt man ganz schnell, dass wohl nicht jede „Karriere“ geradlinig verlaufen muss …

    60 ausgewählte Berufsgeschichten kannst du in dem 586 Seiten starken Buch komplett lesen:
    Nick Melekian, Berufsgeschichten. Menschen erzählen aus ihrer Arbeitswelt und wie sie diese erleben, Shaker Media 2010. (29,95 €)

    Und das gibts online:

    • Auf berufsgeschichten.de findest du neben den Portraits jede Menge Links und Infos zumThema sowie Diskussionsmöglichkeiten in diversen Foren.
    • Auf zeit.de gibts eine schöne Rezension zum Berufsgeschichten-Projekt.

  2. Für alle, die von ihrem Beruf gerade genug haben:

    Kasey Edwards Sinnlos Ber 301-150x150 in Berufsgeschichten-SchmökerpauseSinnlos über 30. Der Titel hat mich in München am Flughafen geradezu angesprungen, weil mir das Cover gefiel. Der Inhalt ist trotzdem gut!
    Es handelt sich um eine Art Reisebericht zum Sinn des Lebens. Kasey Edwards, eine hochkarätige Führungskraft im Consulting, beschreibt humorvoll, wie sie eines Tages keine Lust mehr auf ihre Arbeit hatte und was sie dagegen unternommen hat. Die LeserInnen erwarten eine witzige Reise durch die Ratgeberliteratur, Selbsterfahrungstripps, Erfahrungen von Leidensgenossinnen und Weggefährten sowie jede Menge Ausflüge in die Arbeitswelt der Besserverdienenden. Liegestuhl schnappen und los geht’s.

    Kasey Edwards, Sinnlos über 30. Wie ich mir den Sinn des Lebens zurückholte, Bastei Lübbe 2010.
    (ISBN-13: 978-3-404-66434-4, 8,99 €)

Tags: ,

Basiswissen Bewerbungsanschreiben

Sicher kennst du diese Situation: Du bist auf der Suche nach dem perfekten Bewerbungsanschreiben. Du hast dich durch dutzende Internetseiten geklickt, schlaue Ratgeber konsultiert und widersprüchliche Tipps bekommen … und nun weißt du erst recht nicht, wie das perfekte Anschreiben tatsächlich aussieht.

Das Anschreiben Einer Bewerbung1-150x150 in Basiswissen Bewerbungsanschreiben

Das Bewerbungsanschreiben - So klappt's!

Kein Wunder. Es gibt nämlich keine universelle Lösung! Um ein perfektes Anschreiben zu verfassen, musst du verstehen, worum es dabei geht. Und dir den Text dann selbst erarbeiten, für jede einzelne Bewerbung von neuem. Dein Ziel muss sein, die Personalabteilung zu überzeugen, dass du der / die ideale Kandidatin für die ausgeschriebene Stelle bist. Dafür musst du soviel wie möglich über diese Stelle wissen. Gibt die Stellenbeschreibung nicht genug her, recherchiere online nach ähnlichen Stellen. Überlege dir eventuell auch intelligente Fragen und wende dich damit telefonisch an die Personalabteilung. Diese Informationen helfen dir, deine Argumentation perfekt auf das Stellenprofil abzustimmen. Liefere Gründe, warum das Unternehmen dich einstellen sollte. So präsentierst deine besten Seiten und verkaufst dich gut – wie in einem Werbebrief!

Wie Schreibe Ich Ein Bewerbungsanschreiben-300x24 in Basiswissen Bewerbungsanschreiben


Folgende Regeln musst du beim Anschreiben berücksichtigen:

  • Halte dich an die gängigen Formalia und zeige damit, dass du die Spielregeln beherrschst (Achtung: das beginnt schon mit Adresse und Betreff! Vgl. hierzu die demnächst folgenden Lese- und Linktipps zum Thema ‚Anschreiben’)
  • Personalisiere deine Bewerbung – vom Namen des Empfängers bis hin zu eigenen Formulierungen. Mit den gängigen Textbausteinen aus Bewerbungsratgebern langweilst du nur.
  • Nenne dein stärkstes Argument zuerst! Diese Empfehlung findet man immer häufiger in der Bewerbungsliteratur, denn PersonalerInnen haben in der Regel viel nur wenig Zeit und du hast nur einen ersten Satz, um das Interesse für dich zu wecken. Also verschenke diese beste Gelegenheit, nicht mit faden Floskeln wie: „Mit Freude habe ich in der Lokalen Vorortzeitung gelesen, dass in Ihrem Unternehmen eine Stelle als XXX zu besetzen ist …“ Gähn.
  • Schreibe kurz, knackig und fehlerfrei. Streiche Passagen und Füllwörter ohne Aussagekraft (insbesondere Adjektive). Der Konjunktiv ist in der Regel überflüssig. Umständliche Demutsbekundungen wie „Falls diese Bewerbung Ihr Interesse geweckt haben sollte, würde ich mich sehr freuen, von Ihnen zu hören“, können zumindest im Kommunikationsbereich zum K.O.-Kriterium werden.
  • Formuliere positiv und jammer blos nicht rum. Wenn du wechseln willst, weil dein Chef unausstehlich und inkompetent ist, behalte das für dich, sonst wirkst du unprofessionell. Solltest du gerade arbeitslos sein, darfst du diesen Zustand natürlich nicht verschweigen. Allerdings gehört deine persönliche Verzweiflung nicht in eine Bewerbung! Super wäre vielmehr, zu beweisen, dass du auch mit einer derart schwierigen Situation umgehen kannst z.B.: „Die letzten drei Monate habe ich genutzt, um mich im Bereich ‚Direktmarketing’ weiterzubilden“ oder „Seit März 2010 habe ich mich intensiv in TYPO3 eingearbeitet“. Zumindest, wenn diese neue Qualifikation relevant für die Stelle ist.

Fortsetzung folgt!

Tags:

Mellis Buch, Kapitel 4 (1)

Juchuhhh! Deutschland ist im Viertelfinale und ich habe das vierte Kapitel fertig!!!

Dieses Mal gibt’s als Extra-Benefit Tipps und Tricks zum Thema ‘Vorstellungsgespräch’ (siehe unten) und die Widmung des Tages geht daher an meine Freundin M., die im nächsten Leben sicher als Bewerbungscoach wiedergeboren wird …
Doch nun zu Melli: Nach Dutzenden von Bewerbungsanschreiben, scheint es gut für Melli zu laufen. Sie hat ein zweites Vorstellungsgespräch in einem Buchverlag – dieses Mal in der Marketing-Abteilung. Und obwohl sie eigentlich für die Verlegerin der Elvira-Romane arbeiten möchte, hat sie sich vorgenommen, in diesem Bewerbungsgespräch endlich mal alles richtig zu machen.

Achtung! Das ist eine Jobgeschichte in Fortsetzungen.
Hier gehts zum ‘Klappentext’.
Und hier findest du den Romananfang.

Jobgeschichte-150x150 in Mellis Buch, Kapitel 4 (1)

Höllenfahrt

Manchmal denke ich darüber nach, wie ungeschickt ich früher zuweilen sein konnte. Wenn mir etwas am Herzen lag oder sehr nahe ging – also unter dem Einfluss von Emotionen – stellte mein Körper immer sofort komplett um auf ‚fehlgesteuererter Autopilot’. Kein natürlicher Instinkt und schon gar keine angeignete Vernunft konnten mich dann noch retten. Ich reagierte dem ersten unsinnigen Impuls folgend, sinnlos und hirnflos. Kurz: ich war unberechenbar. Früher! Spätestens seit Patrick passierte mir das nur noch selten. Denn nun begegnete ich den Widrigkeiten des Lebens mit mehr Distanz.
Heute habe ich Abstand zu den Dingen und kann ich leicht zum eiskalt kalkulierenden Genie werden. Diese Manager-Qualität nutze ich zwar selten, aber in den wenigen Fällen, schalte ich tatsächlich mein Hirn ein und entwickle kühlen Kopfes eine minutiöse Ziel-Erreichungs-Strategie. Für jeden Fall der Fälle erstelle ich eine Planalternative inklusive ausgefeilter Taktik. Und ungeachtet äußerer Einflüsse, setze ich das Ersonnene Schritt für Schritt um, und nichts und niemand können mich aufhalten. Nicht einmal die Deutsche Bahn!

Pünktlich zum Morgengrauen erreichte ich den Mainzer Hauptbahnhof,

  • perfekt gekleidet (mit meinem schicken, grauen Kostüm, frisch aus der Reinigung: knielanger Rock an kornblumenblauer Bluse mit normgerechten Ausschnitt, dazu genau die richtige Prise Blockabsatz sowie für mein persönliches Wohlgefühl extra schöne Unterwäsche),
  • mental bestens vorbereitet (erst hatte ich einen ganzen Bogen mit ‚Lieblingsfragen der Personaler’ abgearbeitet und im Anschluss die Verlagswebsite inklusive Verlagshistorie und Verlagsprogramm auswendig gelernt. Zu einem der Buchtitel war mir gleich ein lustiges Dekogimmick eingefallen, und ich hoffte, diese Idee im Gespräch geschickt platzieren zu können) und zudem
  • ausgestattet mit dem besten aller Notfall-Kits: eine Bluse zum Wechseln, falls ich mich unterwegs bekleckerte, und ein Klemmbrett mit allersorgfältigst zusammengestellten Unterlagen, nämlich
    • ein Blatt Papier mit einer Auflistung meiner Stärken (nur zur Sicherheit, falls ich sie plötzlich vergessen haben sollte) – belegt an Beispielen aus der Praxis. Außerdem intelligente Fragen und eine geschickte Überleitung zu meiner Gimmick-Idee (s.o.),
    • die Adresse vom Berblinger-Verlag mit Telefonnummer meines Ansprechpartners Cornelius Wietholl und
    • eine Sitzplatzreservierung an einem Tisch.

Eine Dreiviertelstunde hatte ich für etwaige Verspätungen der öffentlichen Transportmittel, die ich nutzen wollte, einkalkuliert. Das sollte reichen, dachte ich, jung und unerfahren in Sachen Bahnverkehr …
Am Gleis angekommen, zeigte die elektronische Anzeige eine Verspätung von 10 Minuten. Normalerweise hätte ich sofort die Bahnhofsbuchhandlung gestürmt, um noch ein wenig zu stöbern. In Anbetracht der Lage hingegen, stöckelte ich nur würdevoll zum erwarteten Haltepunkt meines Wagens. Und (er-)wartete.
Kurz vor Ablauf der 10-Minuten-Frist erhöhte sich die Verspätung auf 20 Minuten. MANN! Hätten die das nicht früher ansagen können. Zumindest für einen Kaffee hätte die Zeit noch gereicht. Das frühe Aufstehen war ich so gar nicht mehr gewohnt, und ich brauchte dringend einen Portion Koffein. Doch ich wartete weiter brav am Gleis, nicht nur, um kein unnötiges Risiko einzugehen, sondern auch weil mir die unterkühlten Füße in den engen Pumps bereits Schmerz bereiteten. Missmutig zündete ich mir eine Kippe an. Die erste von vier.
Insgesamt brachte es der Zug, als einfuhr eintraf, auf eine Verspätung von stolzen 35 Minuten. Mein Zeitpuffer war also schon deutlich dezimiert, bevor es überhaupt losging. Und meine Zigaretten waren alle, denn schließlich konnte ich nicht an alles denken.
In allen Waggons drängten sich Menschen. Gut, überlegte ich, noch immer positiv gestimmt. Wenn viele Personen ausstiegen, wäre es wenigstens nicht so voll. Allerdings waren die Pfützchen, die nun portionsweise auf den Bahnsteig tröpfelten, kleiner als erwartet. Egal, dachte ich, und machte mich ans Einsteigen.
Doch wie aus dem Nichts erschien plötzlich ein Zugbegleiter und trat mir in den Weg.
„Bedaure, dieser Zug ist voll“, sagte er erklärend, „Ich muss Sie leider bitten, den nächsten zu nehmen.“
„Das ist jetzt ein Witz, oder?“ Und was für ein schlechter. Ist ja nicht so, dass die ICs im 5-Minuten-Takt über Deutschlands Gleise rollen …
„Es tut uns sehr, sehr leid. Die Deutsche Bahn bittet um Ihr Verständnis!“
„Ich habe eine Reservierung“, sagte ich und zückte drohend mein Klemmbrett. Aber eigentlich war mir schon klar: wenn die Deutsche Bahn um Verständnis bittet, ist mit sachlichen Einwänden nichts zu machen.
Und tatsächlich lautete die Replik: „Reservierungen sind in diesem Zug leider heute nicht gültig“.
„Bitte was?“
„Aufgrund des gestrigen Unwetters …“
Lieber nicht viel reden, sondern gleich Zugang verschaffen, dachte ich. Aber Mist, Brummi, der Zugbegleiter stand wie ein Bollwerk vor mir. Und einen Spurt zum anderen Wagenende konnte ich mit meinen Schuhchen sowieso vergessen.
„Leider entspricht die Wagenzusammenstellung des Ersatzzuges nicht der des Originalzugs“.
„Aber …“
„Der Zug ist bereits überfüllt. Sie können nicht zusteigen!“
Brummi stieg ein. Er wollte abfahren. Ohne mich. Nicht mit mir! Mein Killerinstinkt riet mir dringend zu einer peinlichen Szene.
„Hören Sie, ich habe ein Bewerbungsgespräch beim Berblinger Verlag in Stuttgart. Und dieser Zug ist meine letzte Möglichkeit dort halbwegs pünktlich vorstellig zu werden.“
Er zuckte die Schultern. Go, Melli go!
„Im Übrigen bin ich arbeitslos!“ Meine Stimme wurde laut und betonte jede Silbe. „Außerdem bin unausgeschlafen, sexuell frustriert und meine drückenden Schuhe quälen mich jede Sekunde ein bisschen mehr! Sie sehen, ich habe nichts mehr zu verlieren … Also: entweder lassen sie mich jetzt einsteigen oder ich schreie Ihnen den ganzen Bahnhof zusammen!!! Und wenn es gar nicht anders geht, springe ich auch zwischen die Gleise.“
Ich geißelte Brummi mit bösem Blick. Er starrte zurück, als wäre ich irre.
„Entweder wir kommen beide nach Stuttgart“, beschloss ich meine Drohungen, „oder wir kommen beide nicht nach Stuttgart. Entscheiden Sie jetzt!“
Es pfiff zu Abfahrt.
„Springen Sie rein“, sagte Brummi schnell.
Ich wuchtete ihm meinen Koffer entgegen und stieg rasch hinterher.
„Danke“, seufzte ich.
„Sie sind ja nicht ganz dicht!“, sagte Brummi und ließ mich stehen.

Fortsetzung folgt!

Und hier die versprochenen Tipps zur Vorbereitung aufs Vorstellungsgespräch:

  1. Typische Personalerfragen durchgehen und kluge Antworten ausarbeiten, insbesondere auf die Frage: “Warum sollte wir gerade Sie einstellen?” (Weitere Personalerfragen hier). Wer es bis jetzt noch nicht getan hat, sollte sich dringend mit seinen Stärken und Schwächen auseinandersetzen.
  2. Unternehmenswebsite anschauen und wichtige Fakten notieren (Standorte, Umsatz, Produkte, …), ggf. auch aktuelle Pressemitteilungen recherchieren. Am Besten Produktunterlagen direkt beim Unternehmen anfordern.
  3. Fachkenntnisse auffrischen, wenn der eigene Wissensstand schon etwas veraltet ist.
  4. Eigene Fragen überlegen: Welche wichtigen Informationen hast du online nicht gefunden? Wie sind die Strukturen / Arbeitsprozesse im Unternehmen? Warum ist die Stelle ausgeschrieben? Worin bestehen die Herausforderungen dieses Jobs? … Frage, was du wissen musst, um entscheiden zu können, ob der Job auch perfekt für sich ist.
  5. Adresse (inkl. Ansprechpartner / Telefonnummer) notieren. Anreise planen. Mit der Bahn besser eine sehr frühe Verbindung nehmen … Icon Wink in Mellis Buch, Kapitel 4 (1)
  6. “Branchenübliche Kleidung” wird meist empfohlen. Nur: woher weiß man, was im Unternehmen tatsächlich angesagt ist? Wer keine Möglichkeit hat, sich zu erkundigen, ist als HochschulabsolventIn mit einem Hosenanzug in gedeckten Farben immer gut bedient.

Tags: ,

Berufsfelder im Buchverlag

Zeit Campus Berufsfelder Buchverlag in Berufsfelder im BuchverlagKurze Meldung zwischen den Spielen:
Es lohnt sich, die neue ZEIT CAMPUS zu lesen!

Die Ausgabe 04/2010 (vgl. Abbildung) enthält einen schönen Artikel über die kreativen Berufsfelder im Buchverlag:
Die Büchermacher. Wer ein Buch schreibt, lektoriert oder gestaltet, verdient nicht das große Geld. Aber er kann seine Leidenschaft leben”. Darin werden die Tätigkeiten einzelner interner und externer VerlagsmitarbeiterInnen beschrieben: LektorInnen, GrafikerInnen, die AutorInnen und PresseagentInnen.

‘Bodenständigere’ Abteilungen wie Vertrieb, Marketing, Controlling und Personal haben es nicht in diesen Artikel geschafft. Dafür findet man sie im beiliegenden Special “Berufsbilder. So läuft die Wirtschaft”.

Weitere Quellen, um sich über Einsatzgebiete im Verlag zu informieren:

Wer also nicht so WM-besessen ist wie ich, kann sich hier und da erst mal durchschmökern. Ich hingegen muss mich für meine aktuelle Saumseligkeit in der Jobgeschichten-Produktion entschuldigen. Mein kleines, blaues Minitop beschäftige ich gerade ausschließlich mit Lifestream-Übertragungen, so dass es für die Mitarbeit am Blog leider keine Energie mehr aufbringen kann Icon Wink in Berufsfelder im Buchverlag

Oh, 20 Uhr, gleich gehts weiter!!!

Tags: , ,

Mellis Buch, Kapitel 3 (8)

Ja, ja, der Patrick. Endlich bekommen wir einen Einblick in Mellis Vergangeheit!

Achtung! Das ist eine Jobgeschichte in Fortsetzungen.
Hier gehts zum ‘Klappentext’.
Und hier findest du den Romananfang.

Jobgeschichte-150x150 in Mellis Buch, Kapitel 3 (8)

Mein bester Freund war er gewesen und zugleich meine heimlich große Liebe: Ich hatte Patrick im 3. Semester im Proseminar ‚Paradise Lost’ an der Uni Köln kennengelernt, und wir hatten uns auf Anhieb bestens verstanden. Gemeinsam hatten wir uns tagsüber auf die Zwischenprüfung vorbereitet und nachts Köln unsicher gemacht. Ich war damals noch mit Lusche Stefan liiert gewesen, doch nach eineinhalb Jahren kam unsere Fernbeziehung zum Erliegen. Ich hatte gemerkt, wie viel mehr Spaß das Leben machte, wenn ich Zeit mit Patrick verbrachte. Wir machten alles zusammen! Er tröstete mich, als ich das Latinum vermasselte, und ich korrigierte seine Hausarbeiten. Er reparierte meinen Wasserhahn und ich kochte ihm Spaghetti ‚Müllerin Art’.
In der Endphase meiner Magisterarbeit geschah es dann. Eines Abends, anlässlich eines Zelttripps an einen verwunschenen See, ging mein sehnlichster Wunsch in Erfüllung. Bei einem klischeekitschigen Sonnenuntergang sanken wir uns in die Arme. Ich war im 7. Himmel, verbrachte die Nacht meines Lebens, hatte Schmetterlinge auf der Nase und eine rosa Brille im Bauch. Alles auf einmal. Als ich endlich für zwei Stunden einschlief, träumte ich von Marzipanfiguren, die übermütig durch eine zuckrige Sahnetorte tobten.
Am nächsten Tag war Patrick schlecht drauf. „Zuviel Bier“, war seine mürrische Ansage. Ich wunderte mich – normalerweise vertrug er um einiges mehr – aber ich war natürlich einverstanden, sofort nach Hause zu fahren.
Unsere ‚Beziehung’ dauerte genau eine Woche. Sieben unerträgliche Tage, folgten dieser wunderbaren ersten Nacht. Zäh waren sie und von fahlem Geschmack wie Automatenkaugummi. Patrick schien mir auszuweichen, war viel unterwegs, und wenn wir dann doch mal zusammen waren, wollte sich die romantische Stimmung vom See nicht mehr einstellen.
Nach dieser Anstandsfrist gab er mir den Gnadenstoß und machte Schluss. Er sagte, es täte ihm leid, er habe sich am See total gehen lassen, er liebe mich nicht, das sei total scheiße von ihm, ich verdiene etwas Besseres als ihn, aber er wünsche sich nichts mehr, als das wir wieder Freunde sein könnten wie davor. Und ich entgegnete ihm, dass ich ihn liebe und dass auch ich gern weiterhin mit ihm befreundet sein wolle.
Dieser dämlichen Ansage verdankte ich zwei noch grauenhaftere Wochen: War Patrick ohne mich unterwegs, kauerte ich vor dem Telefon und wartete auf seinen Anruf. Ich war rastlos, konnte mich nicht konzentrieren und hatte nicht den geringsten Gedanken für meine Magisterarbeit übrig, während der Abgabetermin unweigerlich näher rückte. Rief Patrick endlich an, wartete ich auf ein liebes Wort. War er nett zu mir, wartete ich darauf, in den Arm genommen zu werden. Er jedoch blieb bewusst distanziert und hielt Abstand. Beim DVDgucken genau zwei Finger breit – nicht unhöflich weit aber auch nicht zweideutig nah. Er würde seinen Fehler, mir zu Nahe zu rücken, kein zweites Mal begehen. Ich aber saß neben ihm und lechzte danach, dass er es doch tat, nur noch einmal, nur noch einmal eine solche Wahnsinnsnacht in seinen Armen …
Love sucks!

Bevor ich komplett durchdrehte, warf ich meinen wichtigsten Kram, unter anderem meinen Laptop, in eine Reisetasche und stieg in den Zug von Köln nach Mainz – zu Kerstin, meiner ältesten Freundin. Wir kannten uns schon immer. Als wir klein waren, hatten wir Haus an Haus gelebt. Jahrelang waren wir Nachbarn gewesen, und so lange ich denken kann, waren Kerstin, meine kleine Schwester Linda und ich gut befreundet gewesen. Zwar hatten wir zu dem Zeitpunkt, als ich so plötzlich bei Kerstin auftauchte, schon länger keinen Kontakt mehr gehabt, außer einmal im Jahr an Weihnachten zu Hause. Aber nun, als ich drei Wochen heulend und zähneklappernd auf ihrem Sofa verbrachte, war alles wieder wie früher. Wie damals, als wir zusammen im Wohnzimmer gezeltet hatten, als wir das geheimnisvolle Betonrohr im Wald zum Stützpunkt unseres Detektivclubs auserkoren hatten oder auch als wir Andi, einen rotzigen Nachbarsjungen, der uns angespuckt hatte in den Bach geschubst hatten.
Nur Kerstin war es zu verdanken, dass ich mich wieder an den Schreibtisch setzte, um mir meinen Studienabschluss zu retten.

Nun war wohl ich mit dem Trösten an der Reihe.
„Freundschaft in der Liebe funktioniert nicht. Entweder man hat das eine oder das andere“, dozierte ich, während wir in die Küche gingen, um Tee zu kochen.
„Ich weiß“, seufzte Kerstin, „aber Frank ist einfach so …“
Und dann behandelten wir 52 Minuten lang ausführlich Franks diverse Vorzüge sowie seine liebenswerten Macken, 35 Minuten debattierten wir über die Widrigkeiten des Schicksals und weitere 77 Minuten philosophierten wir über die Schwierigkeiten der modernen Frau, aus dem Sumpf der männlichen Spezies einen Traummann zu angeln.
Zum Abschluss dieser Rundum-Seelenkur schenkte ich Kerstin meine einzige noch übrige Yasmin-Badekugel aus dem mir von Linda geschenkten Weihnachts-Wellness-Set, was einen echten Liebesbeweis darstellte. Dann steckte ich die beiden (Kerstin und die Badekugel) mitsamt dem neuesten Mari-Ann-Kapitel in die Wanne, wobei es sich bei letzterem selbstverständlich um ein besonders aufmunterndes Stück Erzähltext handelte.
Die Handlung hatte ich mittlerweile ein wenig modifiziert: Mari-Ann ist das Talent und die gute Seele der Agentur und wird von Seniorchef Wilhelm (endlich hatte ich die Namen geändert …) sehr geschätzt. Aus Eifersucht legen ihr Juniorchef Randolph (genannt Randy), Mari-Anns ehemaliger Liebhaber, der sie abserviert hat, weil er mit erfolgreichen Frauen nicht zurechtkommt, und Intrigantin Josephine ständig Steine in den Weg, über welche die langbeinige Mari-Ann jedoch souverän hinwegsteigt. Als sie eine viel versprechende Karrierechance bekommt und die Agentur verlassen möchte, erkennt Randy, wie sehr er Mari-Ann liebt. Aber es ist zu spät.
Und jetzt das absolute Szenenhighlight, das ich Kerstin während ihres Yasmin-Schaumbads zum Lesen gab:
Gerade schreitet Mari-Ann mit ihren letzten Habseligkeiten hinunter in die Aula. Kaum betritt sie die letzte Stufe, wirft sich Randy ihr mit Rosen in den Weg und fleht sie an, bei ihm zu bleiben.
„Ich liebe dich, Mari-Ann“, ruft er inbrünstig. Alle erstarren. Und starren! Der Paketlieferant, die Reinigungskraft und ihr Wischmopp, Steffi vom Empfang, die beiden Grafiker an der Kaffeebar, Wilhelm, der gerade von der Toilette kommt, und Josephine, die sich sowieso immer in Randys Nähe aufhält. (Alle Beteiligten sehen die Situation in einem anderen Licht und kommentieren sie in Gedanken, was insgesamt sehr witzig rüberkommt.) Doch Mari-Ann schreitet würdevoll an Rudi vorbei, der – wie ein Kieselstein, aschgrau, weggekickt und liegengeblieben – das Nachsehen hat, während sie in ein erfolgreiches Leben startet.
Kurz vor dem Ende kicherte Kerstin tatsächlich. Am Schluss meinte sie jedoch: „So geht das nicht! Zuerst der ganze Trivialroman-Blumenkitsch und dann lässt sie ihn abblitzen? Damit bescheißt du die Leser. So liebesromanmäßig, wie du schreibst, erwartet man ein Happy End. Also entweder heiratet sie ihn, oder du brauchst eine andere Story!“
„Aber das ist doch ein Happy End! Mari-Ann bekommt eine viel versprechende Stelle beim Möbel-Verband, dank ihrer Kompetenz und ihres Auftretens. Das ist Rockefeller reloaded. Von der ausgebeuteten Junior- Texterin zur Kommunikationsleiterin mit Spitzenverdienst.“
„Ja, aber ohne Liebe“, begehrte Kerstin auf und schaute gleich wieder ganz und gar unglücklich. Frauen! So werden wir nie gleichberechtigt.
„Außerdem wirkt die Story ziemlich konstruiert …“, mäkelte Kerstin weiter.
Sie sollte mal was von Elvira lesen, das wäre sicher heilsam.
„… denn woher soll plötzlich Randys Sinneswandel kommen? Einmal doof, immer doof, oder nicht?“
„Na vielleicht ist Randy einmal sehr von einer Frau verletzt worden und hat nun Schwierigkeiten eine dauerhafte Bindung einzugehen“, knurrte ich und nahm meine Zettel wieder an mich. Perlen vor die Säue!
„Ich weiß nicht …“
„Du hast gelacht!“
„Ja, eine gewisse Situationskomik lässt sich nicht leugnen“.
Na bitte. Ich musste ganz schön herumarrangieren, um die Situation so hinzukriegen.
„Die Story bleibt so und der Schluss bleibt auch!“, beharrte ich, „ich finde Frauen sollten heutzutage andere Ziele haben, als sich ihren Chef zu angeln. Selber Chefin werden ist jetzt angesagt“.
„Dann leg dir aber bitte einen weniger blumigen Schreibstil zu und lass vor allem Kniefall und Rosen weg! Das ist unrealistisch.“
Mist, nun war Kerstin wieder schlecht gelaunt. Aber vielleicht sollte ich die Handlung wirklich noch einmal auf Kohärenz und die Figuren auf ihre Handlungsmotivation hin prüfen. Puh, was für eine Arbeit.

Aber natürlich erzählte ich Kerstin nun erst einmal von Elvira.
„Wenn du weggehst, zieh ich hier aus“, murmelte Kerstin nach meinem Bericht.
„Wer sagt denn, dass ich weggehe? Ich muss die Stelle ja erst mal kriegen.“, murmelte ich zurück. Aber in Gedanken war ich schon wieder bei Hamburg und der schicken Stadtwohnung, die ich mir dort zulegen würde.

Zur Fortsetzung

Praktikum – praktische Links

Roman Praktikum CopyMan1-191x300 in Praktikum - praktische Links

Bloß weg vom Klischee!

Uff! Den ganzen Tag habe ich Praktikumstipps getwittert. Na ja, fast. Zwischendurch hatte ich einen wichtigen Geschäftstermin (das hat mich vom Twittern erst mal abgehalten, aber es gab Kekse und weitere, tolle Praktikumsinformationen, also will ich mal nicht so sein).



Hier nun eine Best-of meiner Recherche in einer komfortablen Zusammenstellung:



… Also ich hab früher einfach nur im Unternehmen meiner Wahl reingeschaut und gefragt: “Na, wie sieht’s aus? Wollt Ihr mich?”. Und heute werden reihenweise gelehrte Werke als Guide durch den Praktikumsdschungel verfasst. Aber:
Ihr macht das schon!

Liebe Grüße und viel Erfolg an alle PraktikerInnen da draußen!

Tags: , , , , ,

Gescheiter Scheitern?

Ist Scheitern das neue In-Thema? So scheint es jedenfalls. Bis jetzt kannte ich das Thema nur aus einer Doktorarbeit über Künstler in der Literatur – sonst hat nie jemand darüber auch nur ein Wort fallen lassen. Und nun das: Die Eingabe von „Gescheiter Scheitern“ bei Google führt zu einer Vielzahl von Seiten, auf denen Psychotherapeuten und Manager, Kabarettisten und Philosophen, Abiturienten und Christen, sich für den Mut zur Fehlentscheidung aussprechen.

Gleich auf Platz 3 der Trefferliste findet sich der gleichnamige Vortrag, der am Donnerstag im Rahmen der Veranstaltungsreihe Fishing for Careers des Career Center der Universität Hamburg gehalten wurde. Ziel war, den anwesenden Berufseinsteigern die Angst vor „falschen“ Karriereschritten zu nehmen.

Scheitern sei eines der letzten Tabus unserer erfolgsorientierten Gesellschaft, so Referent Lars Burmeister. Dabei sind wir durch unseren multioptionalen Lebensweg geradezu prädestiniert, auch mal durch die falsche Tür zu gehen. Wichtig dabei ist, sich (rechtzeitig) einzugestehen, wenn man sich auf dem Holzweg befindet. Loslassen. Analysieren, was falsch gelaufen ist: Wo liegt der eigene Anteil am „Scheitern“, was daran ist durch externe Faktoren bedingt? Gelassen bleiben. Konstruktiv mit der Situationen umgehen, überlegen, was verbessert werden kann, und mit neueren, besseren Lösungen weitermachen.
Praxisbeispiel: Nach 200 abgelehnten Bewerbungen Freunde um ein Feedback zu den eigenen Bewerbungsunterlagen bitten oder auch mal bei Personalern nachhaken: “Warum hat es nicht geklappt?”.

Dies alles klingt banal, ist jedoch leichter gesagt als getan, wenn man gerade seinen Konzern an die Wand gefahren hat, keinen Job findet oder auch frisch verlassen wurde. Da will man keine schlauen Tipps oder Rezepte hören. Diese will Burmeister jedoch auch gar nicht geben. Nur ein Bewusstsein dafür schaffen, dass Fehler kein Weltuntergang sind und dass es sich daher immer lohnt, Fehler zu riskieren. Schlimmstenfalls hat man eben wieder mal dazu gelernt.
Die innere (Erwartungs-) Haltung entscheidet letztendlich darüber, ob man tatsächlich als scheitert (Bei 500 eingegangenen Bewerbungen muss man sich nicht als gescheitert betrachten, nur weil man selbst die Stelle nicht bekommen hat.) Die klassische Schwarz-Weiß-Malerei der Griechischen Tragödie soll aufgelöst werden.
„So ein Stress“, meldet sich da eine Stimme aus dem Publikum, „bisher konnte ich wenigstens in Ruhe untergehen und mich im Selbstmitleid wälzen. Jetzt stehe ich unter dem Druck, auch im Scheitern noch erfolgreich sein zu müssen“. Alles lacht, doch an dieser Sichtweise ist was dran.

Als systemischer Berater in radikal-konstruktivistischer Tradition arbeitet Burmeister insbesondere daran, in Unternehmen eine Kultur des Scheiterns zu etablieren – nach dem Vorbild asiatischer Firmen. Einige Vorreiter ermutigen ihre MitarbeiterInnen bereits, offen über Misserfolge zu sprechen und diese auszuwerten. Und sie stellen ungewöhnliche Leute ein, die ihren eigenen Kopf mitbringen und auch neues zu denken wagen. Auch wenn sie damit scheitern könnten …

Fishing for Careers ist ein Angebot des Career Centers der Universität Hamburg, das ich sehr gern empfehle. Die Vorträge der Reihe können gratis und ohne Anmeldung besucht werden. Es empfiehlt sich allerdings pünktlich zu kommen – die Veranstaltungen sind sehr gut besucht. Weitere Termine und Themen hier.

Tags: ,

Mellis Buch, Kapitel 3 (7)

Seit Melli arbeitssuchend zu Hause sitzt, ist die Stimmung in der WG merklich gekippt. Aber nicht, weil Melli frustriert ist, vielmehr ist ihre Freundin Kerstin aus unerfindlichen Gründen sauer.

Achtung! Das ist eine Jobgeschichte in Fortsetzungen.
Hier gehts zum ‘Klappentext’.
Und hier findest du den Romananfang.

Jobgeschichte-150x150 in Mellis Buch, Kapitel 3 (7)

Am frühen Abend war Kerstin endlich auch einmal wieder zu Hause. Ich fasste mir also ein Herz und klopfte an ihre Tür, um die fällige Aussprache in Gang zu bringen. Schließlich musste ich ihr unbedingt von Elvira erzählen.
„Was gibt’s?“, fragte sie. Ich trat ein und setzte mich zu ihr aufs Bett.
Wortlos drückte ich ihr den „Only-you“-Button in die Hand.
„Ach“, sagte sie.
Wie ach? Ach du Schreck! Ach, lass mal! Ach, jetzt plötzlich?
„Also, wenn du jetzt eine Entschuldigung erwartest, wüsste ich gern wofür“, eröffnete ich das Gespräch.
Sie schwieg
„Komm schon, Kerstin! Du kannst dich unmöglich wegen etwas Soße im Kühlschrank und ein paar Zetteln and der Tür so aufregen. Was steckt dahinter?“
„Ich wollte es dir ja schon lange erzählen, aber du hast ja nie Zeit“, meinte sie resigniert. Ich? Nie? Zeit? Redete sie von mir, Frau Ich-sitze-den-ganzen-Tag-zu-Haus-und-beschäftige-mich-mit-Romanschreiben?
Voller Unverständnis entgegnete ich nur wortgewandtes„Hä?“.
„Na ja“, fuhr sie fort, „Du bist zwar räumlich anwesend, aber in Gedanken bist du nur bei deinen Bewerbungen und Plänen, was du aus deinem Leben machen könntest.“
„Aber das ist ja auch wichtig! Meine Situation beschäftigt mich eben. Vor ein paar Tagen hast du mir noch vorgeworfen, dass ich die Trainer-Stelle abgelehnt habe … glaubst du, das ist mir leicht gefallen? Ganz im Gegenteil: Ich sitze Tag für Tag zu Hause und ich hab eine Scheißangst, nichts zu finden. Jeden Tag stelle ich mir bis zu fünf verschiedene Leben vor: Morgens, 9 Uhr: Vertreterin in München, Mittags, 12 Uhr: Redakteurin in Hamburg, Früher Nachmittag, 15 Uhr, …“
„Ja, du hast eine schwierige Phase, ich hab’s kapiert. Aber du könntest trotzdem noch ein Ohr für andere haben“, platzte sie nun heraus, „Neulich als wir Caipi trinken waren, wollte ich mich so dringend mal richtig mit dir unterhalten, und dann ging es den ganzen Abend nur um dein Vorstellungsgespräch. Ich verstehe ja, dass du bei all dem Job-Psycho-Terror ein großes Redebedürfnis hast, aber ich habe auch ein Leben, das manchmal stresst.“
Kerstins Leben? Für mich bestand es momentan nur aus Überstunden für Kreativschub. Doch was war hinter dieser arbeitsamen Kulisse?
„Wir waren den ganzen Tag zusammen unterwegs. Du hättest jederzeit was sagen können.“
„Stell dir vor, es gibt Dinge, die ich nicht in der Unterwäscheabteilung von Karstadt anspreche.“
„Okay, jetzt habe ich auf jeden Fall Zeit und höre dir zu“, sagte ich.
Ein paar Sekunden sahen wir uns wortlos an. Dann nickte Kerstin.
„Ich …“ Sie räusperte sich.
„Ja?“
„Ich bin …“
Schwanger? Unheilbar krank?
„Kerstin! Sag es!“
„Ich bin in Frank verliebt.“
Ach du Schreck! Verliebt!! In Frank!!!
„Aber Frank ist schwul“, rief ich aus.
„Na und?“, blaffte sie mich an. Und dann begann sie zu schluchzen. Ich nahm sie in den Arm und drückte sie an mich.
„Bist du deshalb so sauer? Weil wir gerade so viel zusammen abhängen, Frank und ich?“, fragte ich leise.
Sie jaulte auf wie ein Hundewelpe, dem auf den Schwanz getreten wird. Ich streichelte ihr durch die Kringellocken.
„Weißt du“, schniefte sie, nachdem sie sich ein wenig beruhigt hatte, „ ich hab gedacht, ich kann wenigstens seine beste Freundin sein.“
Was für eine bescheuerte Idee, dachte ich, schwieg jedoch.
„Hast du Patrick vergessen“, fragte ich stattdessen.
„Nein“, flüsterte sie und presste ihr Gesicht an mein Work-Sucks-Sweat-Shirt.
Wie würden wir auch jemals Patrick vergessen?

Zur Fortsetzung

So kann’s gehen: Werdegang einer Quereinsteigerin

Literaturwissenschaft-150x150 in So kanns gehen: Werdegang einer Quereinsteigerin

A rébours: LiteraturwissenschaftlerInnen auf dem Arbeitsmarkt

Wie doch noch etwas aus mir wurde, wenn auch etwas ganz und gar abwegig Scheinendes, folgt nun im letzten Teil des Specials Literaturwissenschaft. Mit einem exemplarischen Werdegang – meinem eigenen – möchte ich Mut machen!  Als ehemalige Literaturwissenschaftlerin habe ich tatsächlich den Quereinstieg gemeistert und eine leitende Position im Marketing ergattert. Welche Stationen ich dafür durchlaufen habe und aus welchem Grund ich Zusagen bekommen habe, erfahrt ihr hier:

Bei jeder Station meines Weges gab es andere Gründe für die Stellenzusage (wobei sich von selbst versteht, dass die Bewerbungsunterlagen in jedem Fall einwandfrei waren). In den meisten Fällen hat mir jedoch einschlägige Berufserfahrung zum Job verholfen:

Arbeitsmarkt Geisteswissenschaftler1-300x24 in So kanns gehen: Werdegang einer Quereinsteigerin

  1. Stelle: Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni
    • Gute Beziehung: Die Professorin kannte mich gut und hielt große Stücke auf mich.
      Merke: Pflege dein Netzwerk!
    • Fachliche Qualifikation: Ich konnte mich mit einem sehr guten Abschluss und insbesondere einer sehr guten Magisterarbeit bewerben.
      Merke: Auch wenn ein guter Notenschnitt heute nicht mehr das alleinige Auswahlkriterium bildet, beim Berufseinstieg hilft er enorm, insbesondere, wenn der gewünschte Bereich besonderes theoretisches Wissen erfordert oder hart umkämpft ist.
    • Einschlägige Berufserfahrung: Bereits während meines Studiums hatte ich unterrichtet, mir meinen Auslandsaufenthalt über Deutschunterricht an französischen Gymnasien finanziert, Nachhilfe gegeben und zudem an der Uni Tutorien gehalten.
      Merke: Nicht nur über Praktika, auch über Nebenjobs lässt sich einschlägige Berufserfahrung erwerben.

    Arbeitsmarkt Geisteswissenschaftler1-300x24 in So kanns gehen: Werdegang einer Quereinsteigerin

  2. Stelle: Text und Konzeption in einer Werbeagentur
    • Qualifikation: Ich kann gut schreiben und habe dies im Anschreiben sowie in dreitägigem Probearbeiten unter Beweis gestellt
      Merke: Bestimmte grundlegende Fähigkeiten – die sogenannten Schlüsselqualifikationen – lassen sich mit etwas Einarbeitung gut in neue Bereichen übertragen.
    • Kreativität: Über eine individuell gestaltete Bewerbung und Arbeitsproben (auch aus dem privaten Bereich) konnte ich mein kreatives Potenzial zeigen.
      Merke: Wenn sich gelungene private Arbeiten (Fotoalben, Festbeiträge, Blogs) eignen, deine Kreativität und Konzeptionsstärke zu beweisen und professionellen Augen Stand halten kannst du sie als Arbeitsproben anführen. Aber auch nur dann!
    • Einschlägige Berufserfahrung: Ich konnte ein neunmonatiges Praktikum in einer Werbeagentur ins Feld führen.
      Merke: Kümmere dich rechtzeitig um Praxiserfahrung.

    Arbeitsmarkt Geisteswissenschaftler1-300x24 in So kanns gehen: Werdegang einer Quereinsteigerin

  3. Stelle: Marketing-Referentin im Verlag
    • Einschlägige Berufserfahrung: Ein Jahr Marketing-Kommunikation in einer Werbeagentur
      Merke: Immer an die Zukunft denken! Mein Agenturvertrag war befristet und sehr schlecht bezahlt. Aber er hat mir attraktive Perspektiven eröffnet und mir das Weiterkommen ermöglicht.
    • Bewerbung aus ungekündigter Stellung: Die Agentur hatte meinen Vertrag gerade erst um ein Jahr verlängert. Dass ich die neue Stelle trotzdem noch wollte und dafür auch zu einem Ortswechsel bereit war hat mir ordentlich Pluspunkte gebracht.
      Merke: Arbeitgeber bevorzugen KandidatInnen, die sich nicht beliebig bewerben sondern die genau an ihrem Stellenangebot interessiert sind. Dies lässt sich am glaubwürdigsten versichern, wenn man bereits ‚versorgt’ ist und sich beruflich verbessern möchte.
    • Berufserfahrung im Buchhandel: Wieder ein Nebenjob, den ich als Trumpf ausspielen konnte:„Ja, ich weiß, wie der Buchhandel tickt“.
      Merke nochmal: Beweise dass du kein Fachidiot bist und arbeite neben dem Studium.

    Arbeitsmarkt Geisteswissenschaftler1-300x24 in So kanns gehen: Werdegang einer Quereinsteigerin

  4. Stelle: Leitung Stellenwerk für die Universität Hamburg und andere Hochschulen:
    • Berufserfahrung im Marketingbereich:
      Meine Aufgabe ist die Leitung der Abteilung Stellenwerk, die Recruiting-Projekte (weiter-) entwickeln und umsetzt, sowohl online (Jobportale) als auch offline (Jobmesse). Ich überlege mir neue Produkte, lege Preise fest, akquiriere Personaler und kommuniziere das Angebot an die Studierenden. Dies könnte ich nicht ohne die Erfahrungen, die ich in der Wirtschaft gesammelt habe. Aber auch die Fortbildungen und Bücher, die ich kontinuierlich zur Weiterbildung nutze, haben mich für den nächsten Schritt auf dem Treppchen qualifiziert.
      Merke: Mit zunehmender Berufserfahrung, verliert dein Studium an Relevanz für eine Einstellung und du hast auch als QuereinsteigerIn gute Chancen auf verantwortungsvolle Aufgaben.
    • Berufserfahrung an einer Hochschule:
      Um in der Kooperation mit Hochschulen glaubwürdig aufzutreten und den richtigen Ton zu treffen, muss ich wissen, wie Hochschulen ‚ticken’ und funktionieren.
      Merke: Als Allrounder hat man gute Chancen, einen Nischenjob zu ergattern – wenn das Profil zu den Jobanforderungen passt. Denn nur wer schon mal von Tellerrand zu Tellerrand gesprungen ist bringt ein gewisses ‘Querschnittswissen’ mit, das für spannende Schnittstellen-Positionen ein absolutes Muss bildet.

Arbeitsmarkt Geisteswissenschaftler1-300x24 in So kanns gehen: Werdegang einer Quereinsteigerin
Was habe ich daraus gelernt?

Sollten meine LeserInnen nach all diesen Stationen nun folgern, dass ich unendlich alt sein muss, wäre mir das unlieb. Das gewünschte Fazit lautet vielmehr: Es gibt ‘maßgeschneiderte’ Jobs, man muss sie allerdings aufspüren. Und man muss einschlägige Erfahrungen mitbringen sowie die richtigen Argumente für die Einstellung liefern.

Am Anfang waren meine Vorstellungen zum Beruf ebenso wüst und leer wie mein Magen vor dem Katerfrühstück. Doch so nach und nach habe ich Wissen in mich hineingestopft und Erfahrungsspeck angesetzt, von dem ich nun zehren kann. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen … Aus meiner anfänglichen Not, flexibel sein und mir rasch neues Qualifikationen aneignen zu müssen, haben sich Stärken entwickelt. Unter anderem ein unstillbarer Appetit auf beruflich verwertbare Wissenshäppchen.

Ich hoffe, ich kann mit meinen Posts für LiteraturwissenschaftlerInnen ein paar Perspektiven eröffnen, zum Nachdenken anregen und Hoffnung machen. Allen Unkenrufen zum Trotz behaupte ich: Es gibt ein Arbeitsleben nach der Uni – auch für GeisteswissenschaftlerInnen! Und wenn’s ganz dick kommt hat dieses Leben eine 40-Stunden-Woche …

Ende
Arbeitsmarkt Geisteswissenschaftler1-300x24 in So kanns gehen: Werdegang einer Quereinsteigerin


Special Literaturwissenschaft: Alle Artikel

  1. Auftakt: “Was macht man denn nun eigentlich und tatsächlich als Literaturwissenschaftler?”
  2. Entscheidungshilfe: Promotion ja/nein?
  3. Exkurs ins Romaneske I: Literaturwissenschaft am/im Werk
  4. Exkurs ins Romaneske II: Ein Besuch bei der Agentur für Arbeit – > Mellis Buch, Kapitel 2 (3)
  5. Stellenvermittlung? Berufsberatung? Was bringt die Arbeitsagentur?
  6. Hilfe bei der Berufswahl: Welcher Job passt zu mir?
  7. Welche Tätigkeit? Für wen? In welchem Job? Stellen für LiteraturwissenschaftlerInnen
  8. Rück- bzw. Ausblick: So kann’s gehen: Werdegang einer Quereinsteigerin

Tags: , ,

Mellis Buch, Kapitel 3 (6)

Mein Hals ist zefroren, meine Heizung ohnmächtig … und das Wetter derart apokalyptisch, das erst ein eukalyptisches Bad, in dem ich mich mehr oder weniger gar gekocht habe, meine innere Eiszeit in Tauwetter verwandelt hat.
Aber zurück zu Mellis Jobsuche! Wir erinnern uns: vor nicht allzu langer Zeit hat Melli wutentbrannt eine recht deutliche E-Mail an einen Vertreter der Agentur für Arbeit geschrieben. Ob das nun ein Nachspiel hat?

Achtung! Das ist eine Jobgeschichte in Fortsetzungen.
Hier gehts zum ‘Klappentext’.
Und hier findest du den Romananfang.

Jobgeschichte-150x150 in Mellis Buch, Kapitel 3 (6)

Mitten in diese Aktivitäten platzte ein Anruf der Agentur für Arbeit, Schaller am Apparat. Das seien arge Vorwürfe, meinte Frau Schaller in Bezug auf meine E-Mail vom 26.02. an Herrn Brehm (damit meinte sie Bulli, der sie im Urlaub vertreten hatte), Betreff ‚NÖTIGUNG!!!’. Ach du Schreck, mein Wutanfall! Ich legte Frau Schaller noch einmal dar, wie Supermann von der LKW-Versicherung mich bedrängt hatte, und da sie sehr verständnisvoll schien und so einen niedlichen fränkischen Akzent hatte, erklärte ich ihr gleich meine ganze hundsmiserable Lage: wie viele Bewerbungen ich trotz miesester Aussichten schon geschrieben hatte und wie ich mir jedes Mal, bei jedem Anschreiben vorstellte, wie es wäre, genau diese Tätigkeit auszuüben, wie mein Arbeitsalltag aussehen würde, wie die neue Stelle mein Leben beeinflussen würde, ja, wie es wäre in einer neuen Stadt zu leben, und und und. Und dann sagte sie einfach:
„Frau Müller, Sie machen des schon. Also einfach Kopf hoch und weiter so! Und wenn’s je doch nicht klappen sollte, melden’S sich bitte bei mir. Dann schau’mer mal was ich für sie tun kann, Bewerbungsunterlagencheck, Stärkenanalyse und so weiter. Ja, ich glaub so ein Unterlagencheck wär gut! Und vielleicht möchten’S ja auch eine Fortbildung in Anspruch nehmen? Melden’S sich einfach, wenn’S mich brauchen, ich bin da!“
„Wow!“, entfuhr es mir begeistert. Frau Schaller von der Arge war für mich da! Schon ging es mir wieder etwas besser, und ich nahm mir vor, Frau Schaller auf jeden Fall persönlich zu benachrichtigen, sobald die Sache mit Elvira klar war.

Zur Fortsetzung

Tipps zum Thema:

Tags:

 Page 1 of 7  1  2  3  4  5 » ...  Last »